Jakob Erek Sen

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Texts

Goat Shit (Journal Auszug)

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Es sind ein paar ereignisreiche Tage vergangen ohne dass ich mir die Zeit genommen habe einen Eintrag zu schreiben. Aber: hier bin ich. Gerade schreibe ich halb sitzend, halb liegend, im Bett meines Hotelzimmers am Dom in Gescher (kleines Städtchen nördlich von Essen im Münsterland). Der Anlass: der zweite Teil des Bronzegießen Workshops in Zusammenarbeit mit einer in Gescher ansässigen Glockengießerei.

Wir sind Sonntags (früh, gestern) angereist. Ich bin um 7:45 aufgewacht. Dass war ein Problem, unser ICE sollte planmäßig um 8:15 am Frankfurter Hauptbahnhof abfahren. […] Ich habe schlecht geschlafen […]. Dementsprechend gelang es mir nicht um 7 Uhr, als wie erwartet mein Wecker klingelte, meine Muskeln davon zu überzeugen aufzustehen. Eine halbe Stunde war ich dann gezwungen 25 Euro für ein Uber auszugeben. Der Betrag hat mich gestört, aber dass Uber der Empfänger war deutlich mehr.

Schließlich saß ich im Zug. Nach Umstieg in Köln kamen wir in Wuppertal an. Unser Ziel (auf Durchreise): der Skulpturenpark. Nach kurzer Schwebebahnreise und einem Aufstieg entlang mehreren Tony Cragg Skulpturen (ein akkurater Vorgeschmack) und Gepäckabgabe bei einem freundlichen Gastronom, betraten wir den Park.

Skulpturenpark ist gar nicht so ein guter Name, es handelt sich hierbei nämlich vielmehr um einen Wald der auch noch zwei Ausstellungshallen beherbergt. Und eigentlich geht es auch nur um sehr große Skulpturen (kleine würden im Wald allerdings wohl verloren gehen). Kann man Tony Cragg Skulpturen tolerieren ist der Große-Skulpturen-Wald allerdings einen Besuch Wert. Neben dem, was der gestresste Stadtmensch einem Waldspaziergang sowieso abgewinnen kann, sind dort außerdem auch einige gute Skulpuren zu sehen.

 Thomas Virnich
Thomas Virnich

Die beiden Arbeiten die mir in Erinnerung blieben: Thomas Virnichs Helter und die Gurken von Erwin Wurm. Beide entsprechen wie zu erwarten meinem Wunsch nach Figuration, und sind, im Hinblick auf unsere bevorstehende Arbeit in Gescher, Beispiele einer bewussten Verwendung der Patina.

 Erwin Wurm
Erwin Wurm

Mit der Frage nach was eine große Arbeit rechtfertigen kann, bzw. wann eine große Skulptur eine gute Skulptur ist, wird man in diesem Wald unweigerlich konfrontiert. Jede zweite Skulptur ist von Tony Cragg, dem der Park aber auch gehört (würde mir ein Park gehören würde ich auch meine eigenen Skulpturen plazieren). Seine Goat Shit Skulpturen (Nicht meine Beschreibung, ich lasse offen ob nicht einfach Gen Z Bezeichnung) sind wegen ihrer schieren Größe alleine schwer zu übersehen. Nach der 3. (also vor Betreten des Parks) hatte ich sie satt.

Nach einer Mittagspause und einer drei-Zug-ein-Bus-Deutschlandticket Odyssee (ich hätte die Götter nicht erzürnen dürfen) kamen wir Abends in Gescher an, sodass ich nach einem erholsamen tiefen Schlaf um 8 heute in der Gießerei stehen konnte.

Die Arbeit dort begann direkt mit dem Guss der Bronze in die Formen (ausgeführt von den Spezialisten der Gießerei). Unsere Wachsoriginale waren bereits während der Herstellung der Gipsformen verbrannt, sodass diese nur im Negativ der Form existierte, welche nun wiederum zur Herstellung der Bronze zerstört wurde. Nach Entfernen der Form, Reinigung der Bronze und der darauffolgenden Bearbeitung per Hand, Flex, Dremel und Sandstrahler, hielt ich am Ende des Tages eine (fast) fertige Bronze in den Händen, die morgen mit einer grünen Patina versehen wird. Die einzige Gemeinsamkeit mit einer Tony Cragg Arbeit wäre wohl das Material. Würde meine Tauben auf Tischtennisplatte (working title) überhaupt als große Arbeit funktionieren? Ich denke nicht im Maßstab 1:1. Ich könnte mir aber eine Tischtennisplatte vorstellen, so groß dass ein Erwachsener Mensch aufrecht unter ihr durchgehen kann und entsprechend überdimensionierte Tauben und überdimensioniertem Taubenschiss. Auch hier wäre die Wahl der Übergröße aber eine bewusste Entscheidung und kein Selbstzweck. Und nun genug geshitte auf Tony Cragg, trotz Eignung als roter Faden.

 Guss der Bronzen in Gescher
Guss der Bronzen in Gescher

Wenn ich könnte, würde ich eine Tischtennisplatte (mit Tauben) in den Wald stellen. Ich glaube aber die Arbeit lebt von ihrer kleinen Größe.

Darstellungen von Tauben auf Tischtennisplatte hier zu finden (vorausgesetzt die Arbeit ist fertiggestellt).